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Versorgungssituation Brotgetreide 

Die aktuelle Beurteilung der Versorgungsituation zeigt, dass die letztjährige Erntemenge und die Brotgetreidelagermengen nicht ausreichen, um die Zeit bis zur neuen Ernte 2022 zu überbrücken. Zur Sicherstellung der inländischen Versorgung wurde deshalb eine Erhöhung des Zollkontingents Brotgetreide beantragt. Diese Erhöhung steht nicht im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, sondern mit der schwachen Ernte 2021. Die stabile inländische Versorgung mit Brotgetreide kann mit der Kontingentserhöhung sichergestellt werden.

Die Kommission «Markt-Qualität Getreide» von swiss granum, der Branchenorganisation Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen, hat Anfang März 2022 erneut die inländische Versorgungssituation beim Brotgetreide beurteilt. Die letzte Beurteilung fand im Oktober 2021 statt (siehe Medienmitteilung vom 27.10.2021). In die Beurteilung einbezogen wurden ebenfalls die Importsituation, die verfügbaren Lagermengen der Vorjahresernten auf Stufe Handel / Mühle sowie die Ernteschätzung des aktuellen Jahres (siehe Medienmitteilung vom 15.3.2022).

Bedarf in Normaljahr gedeckt
Der Bedarf an Brotgetreide in der Schweiz beträgt rund 480'000 t und kann in einem normalen Jahr mit der inländischen Erntemenge sowie den bei Bedarf getätigten Importen innerhalb des Zollkontingents Brotgetreide gedeckt werden.
Aus der Ernte 2021 resultierte eine backfähige Brotgetreidemenge, die um rund 30% unter der eines Normaljahres liegt. Dennoch wollte die Branche zunächst Zuwarten, ob der Bedarf nicht aus den Lagern der Vorjahre gedeckt werden konnte. Aufgrund der aktualisierten Einschätzung der Marktpartner reicht die Ernte 2021 auch unter Berücksichtigung der Lager aus Vorjahren nicht aus, um die Zeit bis zur neuen Ernte 2022 inkl. Ernteübergang in allen Getreidearten zu überbrücken. Im Vergleich zum Vorjahr besteht insbesondere bei den Brotweizenklassen Top und I, beim Dinkel und auch beim Bio-Brotgetreide ein Manko. 

Massnahmen zur Sicherstellung der Versorgung
Für die gesamte Branche ist zentral, eine kontinuierliche, ausreichende Versorgung bei allen Brotgetreidearten sicherzustellen und auch den Ernteübergang auf das Folgejahr zu gewährleisten. Insbesondere bei Spezialitäten und Bio-Ware, aber auch bei Brotgetreide mit hohen Qualitätsanforderungen, zeigen sich diesbezüglich mögliche Versorgungsengpässe. Zusätzlich wird aktuell die kontinuierliche Beschaffung und Logistik bei Importen sowie eine kosteneffiziente Umsetzung derselben zunehmend eine Herausforderung.
Zur Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung hat swiss granum daher Massnahmen getroffen und Anfang März beim Bundesamt für Landwirtschaft einen Antrag auf Erhöhung des Importkontingents eingereicht. Beantragt wird die Erhöhung des Zollkontingents Brotgetreide um 40‘000 t, beschränkt auf das Jahr 2022 (30'000 t im ersten Halbjahr und 10'000 t im zweiten Halbjahr 2022). Die Zollkontingentserhöhung entspricht einem realen Bedarf und steht nicht in Konkurrenz zur Inlandmenge. Der Antrag berücksichtigt die Bedürfnisse aller Marktpartner und ermöglicht trotz den Herausforderungen der Ernte 2021 eine ausreichende Versorgung mit Brotgetreide. Unabhängig von den künftigen globalen Entwicklungen ist die Versorgungssicherheit in der Schweiz durch die einheimischen Erntemengen und die Pflichtlager des Bundes auch bei einer allfälligen Verschärfung der Krise sichergestellt. 

Steigendes Kostenumfeld
Die gesamte Branche ist zudem besorgt über die auf allen Stufen entlang der Wertschöpfungskette steigenden Kosten wie z.B. für Energie oder Dünger. Dies wird durch den Konflikt in der Ukraine zusätzlich verschärft und auch die Getreidepreise haben eine Höchstmarke erreicht. Die Märkte unterliegen zurzeit einer hohen Dynamik und die weitere Entwicklung ist aktuell nicht abschätzbar. Swiss granum wird Ende Juni die Ernterichtpreise für das einheimische Brotgetreide festlegen. Diese Preise bilden die Grundlage für die Vermarktung der Ernte. Darüber hinaus ist swiss granum nicht in die Preisfindung involviert.

Über swiss granum
Swiss granum ist die Schweizerische Branchenorganisation Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen. Sie vereint die verschiedenen Dachorganisationen der Schweizer Wertschöpfungskette – von der Produktion bis zur Verteilung, über die verschiedenen Stufen der Verarbeitung und des Handels. Die Personen oder Betriebe sind über ihre Dachorganisation wiederum Mitglied von swiss granum. Die Branchenorganisation zählt 17 Mitgliederorganisationen, welche auf vier Interessengruppen verteilt sind.
Gemessen an der Zahl der Firmen und Beschäftigten ist die Getreide-, Ölsaaten- und Eiweisspflanzenbranche ein bedeutender Zweig der schweizerischen Nahrungsmittelbranche und beschäftigt rund 40'000 Personen. Dadurch spielt swiss granum eine wichtige Rolle als Verhandlungs-, Informations- und Kommunikationsplattform.

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Stephan Scheuner,
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