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Leistung der Winterweizensorten in den swiss granum-Versuchen 2020 / 2021

Wie zu erwarten fielen die diesjährigen Resultate der Winterweizensorten in den swiss granum-Versuchen mittelmässig aus. Der durchschnittliche Ertrag liegt im ÖLN-Anbau mit 71.3 dt/ha unter den Resultaten der Vorjahre. Der durchschnittliche Proteingehalt liegt bei 13.4% und ist ebenfalls tiefer als in den zwei letzten Jahren. Im Extenso-Anbau wurde ein Ertragsdurchschnitt von 64.9 dt/ha und ein durchschnittlicher Proteingehalt von 12.5% erzielt. Auch diese Werte liegen unter den Vor-jahresergebnissen. Die Ergebnisse dienen ausschliesslich zur Beurteilung der Sortenversuche und sind keine Beurteilung der Weizenqualität in der Schweiz.


Die Wetterbedingungen während der Periode 2020-21 waren für den Winterweizen ungünstig. Die Aussaat erfolgte unter guten Bedingungen und der Auflauf der Pflanzen war an den meisten Standorte regelmässig. Das Wachstum war aber aufgrund der sehr trockenen Bedingungen im April nicht optimal. Danach folgte eine sehr feuchte Periode mit eher tiefen Temperaturen, welche das Abreifen der Pflanzen verzögerte. Die Ernteperiode erwies sich als am kompliziertesten: aufgrund der Unwetter verzögerten sich die Ernten, was in gewissen Regionen zu Auswuchs führte und somit die Qualität des Weizens stark beeinträchtigte. Aber trotz der schwierigen Bedingungen war der diesjährigen Krankheitsdruck nicht sehr hoch. Der sehr trockne Früh-ling hat den Mehltaubefall verringert. Gelb- und Braunrost traten auch nur selten auf. Nur Septoria wurde bei allen Standorten beobachtet.

Ergebnisse der Versuche von 2020 und 2021
Im ÖLN-Anbau liegt der zweijährige Ertragsdurchschnitt bei 76.4 dt/ha (Abb. 1). In der Klasse TOP befindet sich Baretta mit einem Ertrag von 75.9 dt/ha an erster Stelle der Klasse TOP dicht gefolgt von Cadlimo mit 75.3 dt/ha. Montalbano befindet sich an dritter Stelle mit einem Ertrag von 73.8 dt/ha. Die Sorten Diavel und Piznair erzielen 73.0 bzw. 72.1 dt/ha. Das Ende des Klassements wird durch CH Nara besetzt (69.3 dt/ha).
Beim Proteingehalt erreicht die Wechselsorte Diavel die Spitze des Klassements mit 15.1%, dicht gefolgt von CH Nara (15.0%), Piznair (14.9%) und Montalbano (14.7%). Mit 14.0% erreicht Baretta den Versuchsdurchschnitt 2020-2021. An letzter Stelle der Sorten der Klasse TOP befindet sich Cadlimo, mit einem Gehalt von 13.9%. Sie erreicht aber das beste Hektolitergewicht (78.9 kg/hl). Im Bereich des Hektolitergewichtes folgt CH Nara (78.5 kg/hl) und Diavel (78.2 kg/hl). Montalbano (76.6 kg/hl), Piznair (76.5 kg/hl) und Baretta (75.3 kg/hl) weisen Werte unterhalb des zweijährigen Durchschnittes auf (77.0 kg/hl).
In der Klasse I ist Hanswin die ertragsreichste Sorte mit einem Ertrag von 77.9 dt/ha. Sie war mit 81.1 dt/ha ebenfalls die beste in den Versuchen 2019-2020. Sie wird mit 77.4 dt/ha dicht gefolgt von Campanile, der neuen Sorte auf der Liste der empfohlenen Sorten. Arina befindet sich an letzter Stelle der Klasse I mit 73.2 dt/ha. Sie erreicht jedoch den besten Proteingehalt ihrer Klasse (14.9%) während Hanswin und Campanile mit 13.3% und 13.2% unterhalb des Durchschnittes (14.0%) liegen. Mit 79.5 kg/hl weist Arina ebenfalls das beste Hektolitergewicht des Versuches 2020-2021 auf, gefolgt von Hanswin mit 79.2 kg/hl.
In der Klasse II besitzt die deutsche Sorte Spontan das beste Resultat (84.2 dt/ha). Posmeda erreicht 82.4 dt/ha. Beim Proteingehalt erzielt Posmeda 13.4% und Spontan 13.1%.
In der Klasse Futterweizen erzielt Poncione, die erste Futterweizensorte aus der Schweizer Züchtung, sowohl im ÖLN- als auch im Extenso-Anbau sehr hohe Erträge (86.7 dt/ha bzw. 80.4 dt/ha). Dies sind die besten Resultate aller Klassen.
Im Extenso-Anbau liegt der Durchschnitt der Jahre 2020 und 2021 bei 71.6 dt/ha (Abb. 3). Er ist um 4.8 dt tiefer als der Durchschnitt im ÖLN-Anbau. In der Klasse TOP, wie im ÖLN-Anbau, befinden sich die Sorten Baretta und Cadlimo an der Spitze des Klassements mit Werten von 70.3 dt/ha und 69.4 dt/ha gefolgt von Montalbano (68.9 dt/ha) und Diavel (68.0 dt/ha). Wie im ÖLN-Anbau besetzt CH Nara das Ende des Klassements (64.6 dt/ha). Cadlimo und Diavel erreichen beide das beste Hektolitergewicht mit 78.2 kg/hl.
Wie im 2020 und 2019 ist Hanswin mit 71.5 dt/ha die ertragsreichste Sorte der Klasse I. Auch wie im Vorjahr, erreichte sie mit 78.7 kg/hl das beste Hektolitergewicht aller Klassen. In der Klasse II liegt Spontan mit einem Ertrag von 75.8 dt/ha an der Spitze. Posmeda erreicht 75.3 dt/ha.

Ergebnisse von 2021
Im ÖLN-Anbau liegt der Ertragsdurchschnitt bei 71.3 dt/ha. Er ist somit um 10.5 dt/ha tiefer als derjenige von 2020 (81.8 dt/ha). Der durchschnittliche Proteingehalt erreicht 13.4% und liegt um 1.1% tiefer als im 2020. Im Extenso-Anbau erreicht der Ertragsdurchschnitt 64.9 dt/ha und ist um 12.2 dt/ha tiefer als derjenige von 2020. Der Proteingehalt liegt bei 12.6% und ist somit um 1.0% tiefer als im 2020.
Der diesjährige Ertragsdurchschnitt im ÖLN-Anbau liegt um 6.4 dt/ha höher als derjenige im Extenso-Anbau (4.7 dt/ha im 2020). Der Proteingehalt ist um 0.8% höher in den ÖLN-Versuchen und das Hektolitergewicht ist um 1.2 kg/hl tiefer, während der Unterschied zwischen beiden Anbau-Methoden im 2020 nur bei 1 kg/hl lag.
Im 2021 erreichen Baretta (70.0 dt/ha) und Cadlimo (69.6 dt/ha) wie im 2020 die besten Erträge der Klasse TOP unter ÖLN-Bedingungen. Die höchsten Proteingehalte erzielen Diavel (14.7%) und Piznair (14.4%), gefolgt von CH Nara (14.3%) und Montalbano (14.1%). Mit 76.8 kg/hl weist Cadlimo das beste Hektolitergewicht der Klasse auf.
In der Klasse I erreicht Hanswin den höchsten Ertrag (73.1 dt/ha). Die Sorte Campanile erzielt 71.8 dt/ha und 12.7% beim Proteingehalt. Der Ertrag von Arina ist mittelmässig (67.3 dt/ha), Sie erreicht aber die Spitze der Klasse beim Proteingehalt (14.6%) und besitzt das beste Hektolitergewicht aller Klassen (77.1 kg/hl).
Die Futterweizensorte Poncione erreicht den besten Ertrag aller Klassen mit 79.4 dt/ha.
Im Extenso-Anbau erzielen die Sorten Baretta und Cadlimo mit 63.8 dt/ha und 62.3 dt/ha die besten Erträge der Klasse TOP (Abb. 4). Diavel hat mit 14.0% den höchsten Proteingehalt, gefolgt von Piznair (13.8%) und CH Nara (13.7%). Cadlimo besitzt das höchste Hektolitergewicht (76.1 kg/hl) gefolgt von Diavel (75.9 kg/hl).
In der Klasse I erreichen die Erträge von Hanswin und Campanile 65.2 dt/ha bzw. 64.9 dt/ha. Ihre Proteingehalte liegen bei 12.3% und 12.1%.
In der Klasse II befindet sich Spontan an der Spitze mit einem Ertrag von 68.1 dt/ha dicht gefolgt von Posmeda mit 67.9 dt/ha.

 
Beschreibung der Winterweizenversuche 2021 von swiss granum
In Zusammenarbeit mit Agroscope, der Groupe Cultures Romandie, dem Forum Ackerbau und DSP (Delley Semences et Plantes SA) testet swiss granum 24 Winterweizensorten im ÖLN-Verfahren (ökologischer Leistungsnachweis) und 12 Winterweizensorten im Extenso-Verfahren. Das Versuchsnetz umfasst 10 Standorte in der ganzen Schweiz, wo die Versuche auf kleinen Parzellen mit 3 Wiederholungen durchgeführt werden. Dieses Versuchsnetz ermöglicht es, eine statistische Auswertung der Ergebnisse vorzunehmen. Dadurch können die Kenntnisse über das agronomische und qualitative Verhalten jeder Sorte im ÖLN- und Extenso-Verfahren vertieft werden. Zusätzlich zu den offiziellen Versuchen im Extenso-Verfahren von Agroscope stellen diese Versuche eine wertvolle Grundlage dar, um die Sorten für die Liste der empfohlenen Sorten (LES) auszuwählen.
Um in die LES von swiss granum aufgenommen zu werden, muss eine Winterweizensorte die zweijährigen Versuche im Extenso-Netz von Agroscope erfolgreich bestehen. Sie wird danach während zwei Jahren im ÖLN-Netz von swiss granum getestet. Diese Versuche werden in Zusammenarbeit mit dem Forum Ackerbau und der Groupe Cultures Romandie durchgeführt. Das Saatgut wird von DSP vorbereitet und geliefert, während Agroscope die Aufbereitung des Erntematerials und die ersten Qualitätsmessungen vornimmt. Sie legt ebenfalls Versuche an, gewährleistet die Koordination innerhalb des Netzes und wertet die Ergebnisse aus.
Die durchschnittliche Saatdichte liegt bei 350 Körner/m2. Die Stickstoffdüngung wird aufgrund der Grundlagen für die Düngung im Acker- und Futterbau (GRUD) für jeden Standort spezifisch errechnet. Im Extenso-Anbau wird die Stickstoffzufuhr um rund 30 Einheiten vermindert. Im ÖLN-Netz erfolgen zudem eine bis zwei Fungizidapplikationen sowie eine Wachstumsreglerapplikation.

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Stephan Scheuner,
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